Reise blog von Travellerspoint

China - Yangshuo


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Hallo zusammen! Diesmal schreibe ich aus Yangshuo. Das liegt in der Provinz Guangxi und damit so ziemlich ganz im Sueden von China wenn man hiesige Dimensionen beruecksichtigt. Die letzten 3 Wochen haben wir fast ausschliesslich hier verbracht. Uns wurde dies nur deshalb nicht langweilig, weil hier ne Menge (und das ist eigentlich noch untertrieben) grosser Karsthuegel rumstehen, an denen es sich ganz hervorragend klettern laesst. Da wir so haeuslich waren, bezieht sich alles folgende nur auf Yangshuo und dessen Bewohner. Dies duerfte allerdings nur teilweise ein repraesentatives Bild fuer China abgeben:

Allgemeines
Yangshuo selber ist ein kleines, sehr touristisches Staedtchen mit ungezaehlten Hostels, Cafes, Bars, Restaurants und Shoppingmoeglichkeiten. Die Gegend allgemein ist ein sehr beliebtes Reiseziel auch unter Chinesen und hat's sogar auf den 20-Yuan-Schein geschafft. Weil's so touristisch ist, scheint auch ganz gut Geld dazu sein um fuer ein angenehmes, sauberes Stadtbild zu sorgen. Gluecklicherweise ist aber nicht Hauptsaison. Dies liegt in erster Linie an den Temperaturen. Heuer ist der hiesige Winter leider einen ganzen Monat frueher gekommen, was auch die Ureinwohner recht ueberrascht hat. Daher war's ueberwiegend recht frisch bei Tageshoechsttemperaturen um die 7 Grad. Das, sowie ein unbeheiztes Hotelzimmer hat uns dazu bewogen, doch schon Daunenjacke und -schlafsack auszupacken, was eigentlich erst fuer Neuseeland vorgesehen war. Gluecklicherweise hatten wir die Seesaecke mit dem ganzen Zeug eher zufaellig dabei, sonst haetten wir uns hier wohl mit allerlei feinen Stuecken aus den hiesigen "Jack Wolfskin"-, "North Face"-, "Adidas"- und sonstigen Stores einkleiden muessen (so, product placement auch erledigt). Ausserdem war's auch nicht die ganze Zeit so kalt. In der Summe hatten wir etwa eine Woche sogar sommerliche Temperaturen. Ausserdem ist der Grip (Halt am Fels) bei niedrigeren Temperaturen ja eh besser:D.

Menschen
Gleich zu Beginn war der doch recht krasse Unterschied in der Stellung der Frauen zur indischen Gesellschaft auffaellig. Waehrend letztere eher arabische Zuege traegt, die Frauen also weniger bis nichts zu sagen haben, ist's hier ganz anders. Der groessere Teil der Laeden, Hotels, Restaurants wird fast ausschliesslich von Frauen betrieben. Frauen fahren sogar alleine Motorrad - in Indien undenkbar...

Ansonsten sind die Chinesen nahezu alle so freundlich und hoeflich, wie man ihnen nachsagt. Die Kinder sind immer unglaublich begeistert wenn sie einen sehen und ueben fleissig die Aussprache ihres wohl noch einzigen englischen Wortes: Hello. Im Gegensatz zu den indischen Kindern sagt hier auch keines: "Hello!! - Schoolpen? - Chocolate? - Money?" (immer in der Reihenfolge!). Etwas komisch mutet es manchmal an, wenn Chinesen scheinbar grundlos ploetzlich sehr aufgeregt losschimpfen. Beobachtet bei Gespraechen untereinander oder auch mit einem selber. Ihr Redeschwall ist dann nahezu nicht zu bremsen, auch wenn sie wissen, dass man sie nicht versteht, was in solchen Momenten natuerlich von Vorteil ist. Ueberhaupt wirken hier viele ziemlich hektisch, vielleicht sind wir aber auch schon so traege geworden;-). Ansonsten ist Kommunikation mit Haenden und Fuessen selbstverstaendlich unumgaenglich und alltaeglich.

Essen
Chinesisches Essen muss ich ja wahrscheinlich eher nicht beschreiben, nur so viel: Chinesen in Deutschland scheinen sich weitestgehend an die Originalrezepte von daheim zu halten. Nach dem immer sehr wuerzigen aber tendenziell oft weichgekochten Essen in Indien war es eine willkommene Abwechslung, hier knackiges Gemuese und nackten Reis zu bekommen. Vegetarische Gerichte gibt es nahezu gar nicht, so dass die Abwechslung mehr durch den Wechsel der Lokalitaeten entstand. Sehr angenehm sind Garkuechen, in denen sich man sein Zutaten selber zusammensucht und nur noch dem Koch zum kurzen Anbraten gibt. Soweit alles prima!

Nicht so toll ist's, wenn man mal nicht Essen gehen will. Das Supermarktangebot ist - gelinde gesagt - gewoehnungsbeduerftig. Ich glaube, China ist ein Paradies fuer Lebensmittelchemiker, wenn's nicht kuenstlich schmeckt, kann's nicht gut sein. Ausserdem haben sie hier so nette Mogelpackungen, auf denen zum Einen nicht annaehernd das abgedruckt ist, was drin ist, die zum Anderen auch noch mit moeglichst viel Luft aufgepumpt sind. Auch eingeschweisste Luftpolster haben wir schon zu Gesicht bekommen. Ueberhaupt scheinen die Chinesen einem ausgesprochen ausgepraegtem Plastikfetischismus zu froenen, der sich in der Anzahl Verpackungsschichten, aber auch in Einmaltischdecken und Dergleichem manifestiert. Aber wenn man sich mal dran gewoehnt hat, kommt man schon aus.

Klettern
Das wiederum ist hier ziemlich klasse! Es gibt einen hervorragenden gedruckten Fueher mittels dem sich nahezu alle Gebiete problemlos finden lassen. Lediglich eines war etwas verzwickt aufzuspueren. Passenderweise heisst der Fels "The Egg", was nicht wirklich hilfreich ist, da hier eigentlich alles eifoermig aussieht. Auch die Zugaenglichkeit stand in ihrer Einfachheit in keinem Vergleich zu Indien. Da alle Gebiete in Radlentfernung um die Stadt verteilt liegen, haben wir uns fuer die gesamte Zeit Fahrraeder geliehen. Eine weitere Beschreibung des Felses erspare ich euch nun mal (ohhhh), vielleicht bei anderer Gelegenheit mal wieder (Yuhuuu!!!).

Pausetage
... haben wir entweder im warmen Cafe oder mit Erkundungen der Stadt und des Umlandes verbracht. Nur an einem Tag zog es uns mal weiter weg und wir haben eine Touristenbustour (richtig mit Fueher mit Faehnchen:-)) zu einem kleinen Bergbauerndorf umgeben von Terrassenreisfeldern gemacht, dessen Haupteinnahmequelle wohl aber der Tourismus sein duerfte. War trotzdem ganz nett, wenn auch nicht einsam. Urspruenglich wollte ich mir eigentlich auch den 3-Schluchten-Staudamm - der lediglich in der Nachbarprovinz liegt - anschauen, aber als ich von einer 18stuendigen Zugfahrt Wind bekam, schlug ich mir das schnell aus dem Kopf. Den Fels konnte ich nicht so viele Tage entbehren;-). Nee, im Ernst, wir waren froh, die letzten 3 Wochen einen festen Bezugspunkt zu haben, insbesondere angesichts des Vorhabens, in Laos wieder mehr herumzureisen. Ausserdem gibt's hier tatsaechlich einfach genug zu tun.

Nun werden wir uns noch 3 Tage Hong Kong anschauen, worauf wir uns nach all dem Landleben doch wieder sehr freuen. Da ich bereits gar nicht so selten gefragt wurde, vielleicht noch eine Bemerkung zu dem weltweiten Zugang zum weltweiten Netz: In Indien gab's in jedem Ort (ausser vielleicht in dem Kaff Ramanagaram, aber vielleicht sogar dort) ein gut gepflegtes Internetcafe fuer geldbeutelschonende 10 bis 70 Eurocent die Stunde. Hier in Yangshuo liegt's sogar tatsaechlich nahezu auf der Strasse rum. Um aus der Masse hervorzustechen ist ein findiger Hostel- oder Cafebesitzer auf die glorreiche Idee gekommen, Kunden mit kostenlosem Internet zu locken, was natuerlich keines der umliegenden Etablissements auf sich sitzen lassen konnte. Praktisch, was? Mal sehen, wie's in Laos ist, aber ich denke mal so wie in Indien... Wuensche bis dahin allseits eine angenehme Vorweihnachtszeit!

Eingestellt von nis 21:50 Archiviert in China Kommentare (0)

Indien (2)


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So, da bin ich wieder. Mittlerweile sind die restlichen 2 1/2 Wochen in Indien nun auch rum und wir haben noch ein wenig was erlebt:

Madikeri - Kodagu-Region

Nach den geruhsamen Tagen in Goa sind wir nach 2taegiger Reise in Madikeri angekommen. Dies liegt in den West-Ghats, ein Gebirge, das sich am westlichen Rand Indiens runterzieht. Es ist echt ein netter Fleck dort, nicht ganz so hektisch, wie im Flachland. Man kann sich's so vorstellen wie dt. Mittelgebirge, nur nahezu ueberall dichter Wald, in dem keine zwei gleichen Baeume nebeneinanderstehen, unterbrochen von Reisfeldern, Kaffee- und Pfefferplantagen (treten immer kombiniert auf, da der Pfeffer an den Baeumen rankt, die dem Kaffee Schatten spenden) und hin und wieder den obligatorischen Kokosnuss- und Bananenplantagen. Wir haben uns die Zeit ueberwiegend mit Wanderungen vertrieben. Mit ein Grund, hierherzufahren war, dass wir gerne mal Kaffeepflanzen sehen wollten. Irgendwann haben wir allerdings festgestellt, dass keiner von uns ueberhaupt nen Schimmer hatte, wie diese aussehen und - nachtraeglich aufgeklaert - dass wir schon an einigen sehenden aber erkenntnislosen Auges vorbeigelaufen sind:-). Anschliessend wollten wir eigentlich in den Sueden von Kerala (also schon ziemlich weit im Sueden von ganz Indien). Extra frueh aufgestanden mussten wir am Busbahnhof feststellen, dass ein Direktbus zur naechsten Bahnstation (ca. 120 km) erst mittags fuhr. Wir dachten uns - klug wie wir sind - wir fahren einfach schon mal in die Richtung. Das war allerdings keine so glaenzende Idee, denn nach 4mal umsteigen kamen wir erst am fruehen Abend in Kannur an, wo es natuerlich auch schon zu spaet fuer ne Nachtzugreservierung war. Das ist dann wohl mal ein Nachteil, wenn man komplett ohne Karte und Fuehrer rumreist. Da wir keine Lust auf noch ne Nacht 5. Klasse in indischen Zuegen hatten, haben wir kurzerhand Suedkerala gecancelt und sind ostwaerts nach...

Ooty

Das letzte Stueck nach Ooty legten wir mittels einer Schmalspurbahn mit Dampflok zurueck. Diese fuhr den halben Tag nur bergauf und hielt zwischendrin immer wieder mal um Wasser zu tanken. An einem Stop lebte ne recht betraechtliche Affenhorde ganz gut von der teils freiwilligen, teils unfreiwilligen Fuetterung durch die Touristen. Leider waren auch wir schon wieder Opfer bzw. diesmal Christine. Meinereiner trieb sich draussen herum und waehrend sie auf der einen Zugseite aus dem Fenster sah, kam auf der anderen ein Affe herein, oeffnete zunaechst unbemerkt ihre Tupperbox mit Muesli und griff herzhaft zu. Als sie ihn bemerkte, knurrte er erstmal, und liess sich schliesslich nur durch Schlaege vertreiben.
Ooty selber liegt auf ca. 2000 m und dementsprechend war es ziemlich kalt, worauf wir nicht so ganz vorbereitet waren. Da sich die Englaender waehrend der Kolonialzeit ganz gern hier oben aufgehalten haben, hat das ganze Staedtchen einen ziemlich britischen Touch, waehrend die Landschaft tw. wirklich schottisch (steile Grashuegel), tw. skandinavisch (dunkel bewaldete, gewundene Seen) anmutet. In den 4 Tagen, die wir hier verbracht haben, haben wir eine Touristentour durchs Umland und in einen nahen Nationalpark gemacht, in dem wir immerhin Elefanten und Pfauen, wenn auch keine Tiger, Leoparden, Pythons, die spannenden Tiere halt, zu Auge bekamen (war auch echt nicht zu erwarten). Ausserdem haben wir ne echt ganz nette Wanderung durch Teeplantagen unternommen und den lokalen Markt erkundet, der einem arabischen Souq ziemlich aehnlich war.

Mysore
Auf dem Rueckweg Richtung Bangalore haben wir noch eine Nacht in Mysore verbracht, das im Wesentlichen einen gross angelegten Palast der Maharadschas bietet.

Ramanagaram
Unsere letzte Station war Ramanagaram, ein kleines Kaff 50 km vor Bangalore. Schon am Bahnhof konnten die Leute kaum glauben, dass wir hier aussteigen wollen und wollten uns mit dem wiederholten Hinweis "This is not Bangalore" (was ziemlich offensichtlich war) wieder zurueck in den Zug weisen. Dementsprechend durften wir uns in dem Ort doch tw. recht begaffen lassen, was irgendwann auch etwas nervig sein kann, aber halt doch dazugehoert. Der nebuloese Grund unseres Aufenthalts waren endlich mal wieder Felsen. Am ersten Tag konnten wir unser Vorhaben noch vergleichsweise gut umsetzen (jetzt kommen ein paar Infos, die wohl eher nur fuer Kletterer interessant sind, einfach beim naechsten Absatz weiterlesen): Felsen und Routen waren recht gut zu finden und auch vollstaendig eingebohrt. Die Kletterei ueber roetlichen Granit ist ziemlich genial und bietet teils Reibungsplatten, teils Wandkletterei an scharfen Schuppen. Eine Route fuehrte direkt zu den Wurzeln eines beeindruckenden, in einem Felsspalt wurzelnden Baumes (sind nicht mehr weiter entlang der Wurzeln geklettert).
Dementsprechend befluegelt sind wir zu nem weiteren Klettertag gestartet, der allerdings kein solcher werden sollte. Der Weg zum ersten ausgewaehlten Sektor fuehrte durch dichtes Unterholz und war wohl eher ein Tierpfad, da die Fortbewegung auf allen Vieren mitunter einfacher war. Trotzdem sind wir im recht munter gefolgt bis wir irgendwann unter dem Netz einer handflaechengrossen Spinne hindurchkamen, was vergegenwaertigte, was hier so alles herumkrabbelte. Sind also erstmal wieder raus aus dem Gestruepp und haben versucht, uns einem andren Fels (Shanti-Tower) anzunaehern. Auch dies war gar nicht so einfach und nach einiger Sucherei tat sich tatsaechlich mal ein recht lichter Pfad auf, auf dem man auch aufrecht haette gehen koennen, waeren da nicht die achtbeinigen Gesellen auf Beutefang gewesen, die doch recht dicht den Weg saeumten. Christine hatte schliesslich verstaendlicherweise keine Lust mehr und so war dann nicht mehr viel mit Klettern.
Abschliessend bleibt die Erkenntnis, dass Klettern in Indien einen doch recht hohen Abenteuerfaktor bietet ohne ueberhaupt Fels unter den Fingern zu haben. Eigentlich ist das aber auch gar nicht so schlimm, da es echt immer genug zu sehen gibt, was die Tage trotzdem abwechslungsreich gestaltet. Nichtsdestrotrotz freuen wir uns jetzt beide ziemlich auf hoffentlich unkompliziertes Spochtkletten im Sueden Chinas.

Die Inder

Das lustigste und netteste an den Indern ist ihre Angewohnheit, staendig mit dem Kopf zu wackeln, was genauer gesagt so ein Drehen um die Nase ist. Das machen sie zur Begruessung, als Bedankung und - was leicht zu Missverstaendnissen fuehren kann, da man es anfangs u. U. mit einem Kopfschuetteln verwechselt - als Bejahung. Sie wackeln alle echt staendig mit dem Kopf und mitunter sagen sie dazu immer "Okay, okay". Sehr amuesant das! Ansonsten sind die Inder zum groesseren Teil sehr angenehme, friedliche, hilfsbereite und vor allem neugierige Zeitgenossen. Staendig wird man gefragt: "What's your name?" und "Which country?". Dabei wird Christine ausnahmslos zu Kristina (eine Hindu-Gottheit heisst Krishna, dementsprechend ist es auch ein "beautiful name"). Mit dem "ls" haben sie so ihre Schwierigkeiten, weswegen ich anfangs oftmals "Nis" heisse. Zu "Germany" hoert man die interessantesten Assoziationen. Spitzenreiter ist leider immer noch "Hitler", wenn auch gar nicht mal so oft und dicht gefolgt von Ballack und weiterhin Beckenbauer und Kahn. Sehr oft kam auch "Ermann Esse" und Thomas Mann. Jeweils einmal hab ich lustigerweise Nina Hagen und Helge Schneider gehoert. Das sind also so die deutschen Exportschlager;-). Fuer einen ziemlich grossen Teil ist aber "Germany" ueberhaupt kein Begriff und "Europe" tut's eher.
Nun folgten meist die Frage nach unserer Beschaeftigung sowie Beziehung zueinander. In der indischen Gesellschaft sind Beziehungen vor der Ehe rein freundschaftlich und nach wie vor werden sehr viele Ehen von den Eltern arrangiert. Dementsprechend wurden wir oft gefragt, ob unsere Eltern wuessten bzw. ob sie damit einverstanden waeren, dass wir unverheiratet zusammen reisen.
Wenn der erste Wissensdrang gestillt ist, erzaehlen sie meist, aus welcher Stadt/welchem Staat sie kommen und das es da ganz schoen ist und was es da alles Tolles zu sehen gibt. Vor allem scheint es praktisch ueberall "beautiful temples" mit langgezogenem erstem "u" zu geben. Tatsaechlich sprechen aber leider viele Inder nicht so gut Englisch, dass es zu einer so weitreichenden Konversation reicht. Umso beeindruckender ist es, wenn einen Inder, die praktisch gar kein Wort Englisch sprechen, sich sichtlich freuen, wenn sie einem ihre ganze Familie vorstellen koennen.
Besonders hoeflich sind natuerlich diejenigen, die an einem was verdienen koennen: "Yessir, Riksha?", "What do you want, sir?". Aber selbst wenn sie einem nichts andrehen koennen, helfen die allermeisten einem trotzdem gerne weiter und Ortfindungs- oder andere Probleme werden gleich in mittelgrossen Gruppen diskutiert.
Selbstverstaendlich gibt's auch weniger freundlich gesinnte Zeitgenossen, die meist nur starren bis man sie anspricht oder laechelt, worauf sie sich dann nur abwenden. Auch muss man immer wieder aufpassen, wer einen einfach nur auf den Arm nehmen will, aber das bekommt man doch recht schnell raus. Mein persoenlicher Eindruck ist, dass die Menschen weniger distanziert sind und man dementsprechend oft gleich weiss, woran man ist.

Begegnungen

... gibt es natuerlich zahlreiche auf so einer Reise, aber drei besondere moechte ich im Folgenden schildern.
Die erste ereignete sich auf der Zugfahrt von Goa in den Sueden. Wir sassen zusammen mit einem vor 11 Jahren nach Indien ausgewanderten Deutschen, der seit 8 Jahren in einem abgelegenen Dorf in den Auslaeufern des Himalayas lebt. Dort widmet er sich Studien in Ayurveda, Yoga und Sanskrit. Ayurveda kennt wohl drei Typen von Menschen - Wasser, Feuer und Luft - und er ordnete uns nach kurzer Zeit den Typen zu. Auf meine Nachfrage, ob es ihm damals schwer gefallen ist, alles zurueckzulassen, antwortete er mit einem glaubhaften Nein. Und doch, auch wenn er wirklich ausgeglichen wirkte und Ruhe ausstrahlte, schien er doch etwas wehmuetig was Familie und soziale Kontakte betraff. Allerdings scheint auf seinem Weg der Verzicht gerade auch auf solche Dinge eine wesentliche Rolle zu spielen.
Auf einer weiteren Zugfahrt sass ich mit einem Inder Anfang 30 nebeneinander auf der Gepaeckablage. Er uebte doch recht starke Kritik an den oben beschriebenen indischen Zwaengen bzgl. Beziehungen und Ehe und empfand die Gesellschaft als unfrei. Ausserdem war er der erste Moslem - den ich getroffen habe und dies so offen sagte - der zugab, dass er zwar auf dem Papier Moslem ist, aber doch starke Zweifel hegt.
Die letzte Begegnung war eine ausgesprochen unterhaltsame: Wir liefen von Madikeri aus zu einem Wasserfall, als ein Reisebus hielt und nicht eher weiterfahren wollte, als bis wir eingestiegen waren. Es war eine Gruppe Studenten, die auch auf dem Weg zum Wasserfall waren und deren allgemeines Interesse an uns scheinbar keine Grenzen hatte. Dementsprechend nahmen sie uns auch wieder zurueck und einige wollten unbedingt, dass ich mit ihnen im Gang tanzte, was auf der kurvigen Strecke und bei der indischen Fahrweise durchaus herausfordernd war. Ich liess mich nicht lang bitten und die Begeisterungsstuerme wurden nur von denen getoppt, die losbrachen, als auch Christine kurz mittanzte. Vorm Aussteigen mussten wir wortwoertlich jedem die Hand schuetteln bevor der ganze Bus johlend und pfeifend weiterfuhr.

In diesem Sinne allseits eine frohe Zeit! Bis dann!

Eingestellt von nis 15:54 Archiviert in Indien Kommentare (0)

Indien


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Willkommen zu meinem Reisetagebuch! Hier will ich innerhalb der naechsten 12 Monate in mehr oder weniger regelmaessigen Abstaenden Eindruecke und Erlebnisse schildern. Die Reise geht mit Ausnahmen nahezu einmal um die suedliche Erdhalbkugel. Einen Ueberblick ueber die geplante bzw. schon bereiste Strecke bietet ein Klick auf: Einmal rundrum.
Ich bin zusammen mit meiner Freundin Christine unterwegs, also nicht wundern, wenn ich von "uns" rede:-) Um eine gewisse Struktur reinzubringen, werde ich mich bemuehen, die Eintraege nach Ueberbegriffen oder Orten zu gliedern.

Allgemeines

Unser erster Stop ist Indien, genauer gesagt lediglich der Suedwesten (Bundesstaaten Karnataka, Goa, Kerala und Tamil Nadu). Mittlerweile sind wir seit 2 1/2 Wochen hier und haben einen ersten Eindruck vom Leben hier. Das vielleicht vorneweg: Leben gibt es hier reichlich. Es quillt foermlich aus allen Ecken und Enden. Das faengt bei den Menschen an: Die Inder scheinen im Allgemeinen gerne alles in Gruppen zu machen. Insbesondere hat hier das Arbeiten eine starke soziale Komponente. Ueberall, wo Menschen irgendeinem Gewerbe nachgehen, sei es in den Laeden, auf Baustellen, an Busstaenden etc. stehen ausser den sichtlich Beschaeftigten immer noch eine Menge weiterer Inder herum, die zuschauen, mitreden/-handeln oder irgendwelche Botenjobs uebernehmen. Man fragt sich z.B. wie sich ein winziger Handyladen scheinbar 5 Angestellte leisten kann bzw. vielmehr, wie alle davon leben koennen.
Neben und zwischen all diesen Menschen leben noch ne Menge Tiere: Zuersteinmal selbstverstaendlich Kuehe, die hier tatsaechlich Narrenfreiheit geniessen und maximal durch Rufen oder mittels Wassereimern vertrieben werden, wenn sie sich den Ladenauslagen naehern. Auch auf den Strassen haben sie immer Vorang. Wenn sie sich durch Hupen nicht verscheuchen lassen, muss der Verkehr halt aussenrumkurven. Dann gibt's zahllose mehr oder weniger verkommene Hunde, die den allgegenwaertigen Muell durchforsten und fast ausnahmslos ne ziemliche Angst vor Menschen haben (interessanterweise gibt es auch gutgenaehrte Haushunde). Eine noch effektivere Muellbeseitigung stellen die Schweine dar, die - nach laengerer Ueberlegung - nur diese eine Aufgabe haben koennen, da man in Indien einfach kein Schwein isst. Sie leben buchstaeblich in der Gosse und scheinen fast alles zu fressen (inkl. sich gegenseitig, sofern sie tot sind). In einigen Gegenden und Staedten leben desweiteren viele Affen, die wohl eher keine Funktion erfuellen sondern im Gegenteil, eher nicht so gern gesehen sind. Wir konnten dies anfangs noch nicht ganz verstehen, bis mir, nachdem wir beim Baecker eingekauft hatten, ein Affe vom Dach an den Arm sprang, mit der freien Hand in Volleyballer-Manier nach der Tuete schlug, die aufplatzte. Wir lieferten uns ein Wettrennen um den davonkullernden Inhalt, wobei wir uns beide mit einer Beuteteilung zufrieden geben mussten. Seither sind wir etwas skeptischer, wenn sich Affen naehern;-) Nichtsdestotrotz kann man ihnen stundenlang zuschauen, weil bei denen - noch mehr als bei den Indern - immer was los ist.
Der dritte Teil des Lebens - genau, das Gruenzeug - ist ebenfalls ueppig und bestaendig vorhanden. Bananenplantagen und Kokosnusspalmen gehoeren hier zum ueberwiegenden Landschaftsbild. Ansonsten alles moegliche, was man sich so vorstellen kann, Indien importiert angeblich nahezu keine Agrarprodukte - also ein ziemlich gruenes Land, wobei hier im Sueden natuerlich tropisches Gruen.

Reisen

Das Reisen hier ist ne unterhaltsame wenn auch selten entspanndende Angelegenheit. Weiter als 300, allerhoechstens 350 km an einem Tag reisen zu wollen, braucht man wohl gar nicht erst zu versuchen, egal mit welchem Verkehrsmittel.
Innerhalb der Staedte bewegt man sich - wie wohl in nahezu ganz Asien - mit Autorikschas fort, die grundsaetzlich einmal, wie nahezu alles hier, ziemlich guenstig sind. Fuer ein 5km lange Fahrt zahlt man etwa 60-70 Cent, wenn man sich nicht arg uebers Ohr hauen laesst, was gerade bei Rikschas anfangs leicht passieren kann. Noch erwaehnenswert ist, dass die Fahrzeuge hier natuerlich mindestens vorbildlich gefuellt, also mind. 2 Passagiere pro Motorrad und 5 pro Auto, sie's aber auch gerne mal uebertreiben mit ihren Fahrgemeinschaften. Als wir mal einen Inder fragten, ob es eine Regel gaebe, wie viele Menschen in einem Auto fahren duerften, sagte dieser, es gaebe lediglich die Vorschrift, dass auf dem Fahrersitz nur einer sitzen duerfe.
Fuer Ueberlandreisen nehmen die Inder am liebsten den Bus. Das ist durchaus eine spannende Angelegenheit. Insbesondere die Busfahrer sind mutige Gesellen, fuer die waghalsige Ueberholmanoever wohl zum Selbstverstaednis gehoeren. Aber auch sonst, faehrt der Inder i. A. da, wo noch Platz ist und sei er noch so gering. Darueberhinaus sind auch die grossen Strassen eher Pisten und eigentlich kann man immer froh sein, wenn sie nicht asphaltiert sind, weil dann die Schlagloecher wesentlich kleiner ausfallen. Dementsprechend sind die Fahrzeuge ueberwiegend ziemlich gelaendegaengig, insbesondere die Lastwaegen, was wiederum dem Strassenzustand wohl nicht zugute kommt. Auch hier reiht sich aehnlich wie auf den rechten Spuren deutscher Autobahnen, ein LKW an den anderen (nur dass es i.d.R. insgesamt lediglich 2 in beide Richtung befahrene Spuren gibt), was dem Kolonnenhuepfen mit dem Bus den eigentlichen Reiz verleiht.
Die andere Moeglichkeit, auf dem Landweg zu reisen, ist der Zug. Das Netz ist flaechenmaessig recht weitreichend. Auch ist die Reisegeschwindigkeit geringfuegig hoeher, als die beim Bus. Darueberhinaus ist es sogar noch guenstiger (fuer 250km: Zug 5. Klasse ca. 1 Euro p.P., Bus ca. 1,70). Die meisten laengeren Strecken werden jedoch max. 1mal pro Tag befahren, so dass es an Umsteigebahnhoefen durchaus zu laengeren Wartezeiten kommen kann. Bei unserer letzten Reise sind wir um 15 Uhr in Hubli (das dem Namen nach durchaus auch in der Schweiz liegen koennte*g*) angekommen, um um 23 Uhr den Nachtzug nach Goa zu nehmen. Da wir es trotzdem geschafft haben, die Reservierung zu verpennen, haben wir schliesslich eine kuschelige Nacht - leider haben wir keine Liegeplaetze auf den Gepaeckablagen mehr bekommen:-( - in der 5. Klasse verbracht, die, wie wir waehrend der Fahrt erfuhren, die letzte Klasse ist. Dementsprechend waren die uns umgebenden Inder doch auch etwas verwundert, warum wir so reisen. Ein Inder (Bahnangestellter) fragte mich auch, wie schnell die Zuege maximal in Deutschland fahren und wie das technisch moeglich sei, was ich ihm leider nicht zu seiner Zufriedenheit beantworten konnte.

Essen

... ist hier hervorragend. Es schmeckt eigentlich immer sehr gut und was auch sehr klasse ist (zumindest wir 2 finden's gut), dass es ausnahmslos wesentlich mehr vegetarische als nicht-vegetarische Gerichte gibt (wir sind noch lang nicht durch;-)). Die Inder leben im Allgemeinen ziemlich gesund. Auffallend wenige Maenner (Frauen eh nicht) rauchen und auch trinken wenige Menschen (natuerlich auch nur Maenner), wobei nicht ganz so wenig wie in arabischen Laendern und wenn was getrunken wird, dann meist gleich Whisky. Essen ist selbstverstaendlich auch ziemlich guenstig. Fuer 1,50 - 2 Euro (wenn man sich an die Nicht-Touri-Restaurants haelt) kann man reichhaltig zu Abend essen, so dass auch ich gut satt werde;-) und tagsueber kann man sich an Obststaenden oder in kleinen Garkuechen fuer einiges weniger versorgen.

Hampi

Nachdem wir in Bangalore gelandet waren, wollten wir ziemlich schnell raus aus dieser hektischen Stadt. Wir haben also unsere Seesaecke am Bahnhof aufgegeben und sind mit wesentlich kleinerem Rucksack zum Busbahnhof.
In Hampi haben wir einige Tage damit verbracht, die Gegend zu erkunden, ein paar Tempel etc. anzuschauen, zu Bouldern und uns gemaechlich einzuleben. Die Landschaft dort ist uebersaet mit Granitbloecken, so dass es nahezu unendlich viele Bouldermoeglichkeiten gibt, was den eigenen Entdeckergeist fordert. Ein paar Fotos (-> Bilder-
Galerie) sagen hier, glaube ich, mehr als weitere Worte.

Badami

Der naechste Stopp war Badami, ein 5000-Einwohner-Staedtchen, am Rande einiger Sandsteinmassive. Ausserdem gibt's dort einige Tempel und in den Stein gehauene Hoehlen. Die meisten Touristen bleiben nur fuer eine Nacht, da ein Tag ausreicht, alle Sehenswuerdigkeiten zu besichtigen. Wir wollten jedoch in erster Linie etwas klettern und haben daher 4 Naechte dort verbracht. Die Stadt war nach dem ziemlich touristischen Hampi (v.a. viele Backpacker) nun wohl etwas indischer und das Gesagte zur Tierwelt bezieht sich v.a. auch auf diesen Ort. Das Klettern ist etwas abenteuerlicher als Sportklettern in unseren Breitengraden. Einen grossen Teil der Zeit haben wir damit verbracht, durch die Pampa zu stapfen (mitunter vertrieben von knurrenden Affenhorden) und Felsen zu suchen. Es gibt naemlich einige eingebohrte Routen, die wir schliesslich auch fanden (nicht alle waren schwer zu finden). Leider fehlten interessanterweise eigentlich immer die ersten zwei Bohrhackenlaschen, so dass nur noch die Stifte steckten. Andere Routen waren generell recht sparsam eingebohrt, so dass wir uns ueberwiegend auf's Topropen beschraenkten (shame on me;-)), da Umlenker zumindest ausreichend vorhanden und ueberwiegend leicht zugaenglich waren. Spass gemacht hat's trotzdem, da der Stein echt cool war und ich sowas auch noch nicht geklettern bin. Das war's auch schon mit den ersten Klettererfahrungen out of good old europe und wir sind weiter nach...

Goa

Nach einer doch recht schlafarmen Reise (fuer Christine noch mehr als fuer mich) sind wir mittlerweile in Goa. Dies ist DAS Badeziel mit vielen weissen Kirchen (scheint ne Christenenklave hier zu sein...) und palmenbestandenen Straenden. Dementsprechend ist's ziemlich touristisch, wobei zum Glueck noch Vorsaison ist und daher doch noch recht ruhig. Wir machen eigentlich nicht viel mehr als Baden, Essen und Chillen, was auch mal echt nett ist. Dementsprechend gibt es nichts weiter spannendes zu erzaehlen.

So, das soll's fuer heute mal gewesen sein. Ich denke, ich werd hier bevor wir Indien verlassen (in 2 1/2 Wochen) nochmal etwas weiterschreiben. Insbesondere die netten, lustigen Inder verdienen noch eine ausfuehrlichere Beschreibung*g*. Bis dahin!

Eingestellt von nis 10:29 Archiviert in Indien Kommentare (1)

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