Reise blog von Travellerspoint

Indien (2)


View Einmal rundrum auf nis's Reise-Karte.

So, da bin ich wieder. Mittlerweile sind die restlichen 2 1/2 Wochen in Indien nun auch rum und wir haben noch ein wenig was erlebt:

Madikeri - Kodagu-Region

Nach den geruhsamen Tagen in Goa sind wir nach 2taegiger Reise in Madikeri angekommen. Dies liegt in den West-Ghats, ein Gebirge, das sich am westlichen Rand Indiens runterzieht. Es ist echt ein netter Fleck dort, nicht ganz so hektisch, wie im Flachland. Man kann sich's so vorstellen wie dt. Mittelgebirge, nur nahezu ueberall dichter Wald, in dem keine zwei gleichen Baeume nebeneinanderstehen, unterbrochen von Reisfeldern, Kaffee- und Pfefferplantagen (treten immer kombiniert auf, da der Pfeffer an den Baeumen rankt, die dem Kaffee Schatten spenden) und hin und wieder den obligatorischen Kokosnuss- und Bananenplantagen. Wir haben uns die Zeit ueberwiegend mit Wanderungen vertrieben. Mit ein Grund, hierherzufahren war, dass wir gerne mal Kaffeepflanzen sehen wollten. Irgendwann haben wir allerdings festgestellt, dass keiner von uns ueberhaupt nen Schimmer hatte, wie diese aussehen und - nachtraeglich aufgeklaert - dass wir schon an einigen sehenden aber erkenntnislosen Auges vorbeigelaufen sind:-). Anschliessend wollten wir eigentlich in den Sueden von Kerala (also schon ziemlich weit im Sueden von ganz Indien). Extra frueh aufgestanden mussten wir am Busbahnhof feststellen, dass ein Direktbus zur naechsten Bahnstation (ca. 120 km) erst mittags fuhr. Wir dachten uns - klug wie wir sind - wir fahren einfach schon mal in die Richtung. Das war allerdings keine so glaenzende Idee, denn nach 4mal umsteigen kamen wir erst am fruehen Abend in Kannur an, wo es natuerlich auch schon zu spaet fuer ne Nachtzugreservierung war. Das ist dann wohl mal ein Nachteil, wenn man komplett ohne Karte und Fuehrer rumreist. Da wir keine Lust auf noch ne Nacht 5. Klasse in indischen Zuegen hatten, haben wir kurzerhand Suedkerala gecancelt und sind ostwaerts nach...

Ooty

Das letzte Stueck nach Ooty legten wir mittels einer Schmalspurbahn mit Dampflok zurueck. Diese fuhr den halben Tag nur bergauf und hielt zwischendrin immer wieder mal um Wasser zu tanken. An einem Stop lebte ne recht betraechtliche Affenhorde ganz gut von der teils freiwilligen, teils unfreiwilligen Fuetterung durch die Touristen. Leider waren auch wir schon wieder Opfer bzw. diesmal Christine. Meinereiner trieb sich draussen herum und waehrend sie auf der einen Zugseite aus dem Fenster sah, kam auf der anderen ein Affe herein, oeffnete zunaechst unbemerkt ihre Tupperbox mit Muesli und griff herzhaft zu. Als sie ihn bemerkte, knurrte er erstmal, und liess sich schliesslich nur durch Schlaege vertreiben.
Ooty selber liegt auf ca. 2000 m und dementsprechend war es ziemlich kalt, worauf wir nicht so ganz vorbereitet waren. Da sich die Englaender waehrend der Kolonialzeit ganz gern hier oben aufgehalten haben, hat das ganze Staedtchen einen ziemlich britischen Touch, waehrend die Landschaft tw. wirklich schottisch (steile Grashuegel), tw. skandinavisch (dunkel bewaldete, gewundene Seen) anmutet. In den 4 Tagen, die wir hier verbracht haben, haben wir eine Touristentour durchs Umland und in einen nahen Nationalpark gemacht, in dem wir immerhin Elefanten und Pfauen, wenn auch keine Tiger, Leoparden, Pythons, die spannenden Tiere halt, zu Auge bekamen (war auch echt nicht zu erwarten). Ausserdem haben wir ne echt ganz nette Wanderung durch Teeplantagen unternommen und den lokalen Markt erkundet, der einem arabischen Souq ziemlich aehnlich war.

Mysore
Auf dem Rueckweg Richtung Bangalore haben wir noch eine Nacht in Mysore verbracht, das im Wesentlichen einen gross angelegten Palast der Maharadschas bietet.

Ramanagaram
Unsere letzte Station war Ramanagaram, ein kleines Kaff 50 km vor Bangalore. Schon am Bahnhof konnten die Leute kaum glauben, dass wir hier aussteigen wollen und wollten uns mit dem wiederholten Hinweis "This is not Bangalore" (was ziemlich offensichtlich war) wieder zurueck in den Zug weisen. Dementsprechend durften wir uns in dem Ort doch tw. recht begaffen lassen, was irgendwann auch etwas nervig sein kann, aber halt doch dazugehoert. Der nebuloese Grund unseres Aufenthalts waren endlich mal wieder Felsen. Am ersten Tag konnten wir unser Vorhaben noch vergleichsweise gut umsetzen (jetzt kommen ein paar Infos, die wohl eher nur fuer Kletterer interessant sind, einfach beim naechsten Absatz weiterlesen): Felsen und Routen waren recht gut zu finden und auch vollstaendig eingebohrt. Die Kletterei ueber roetlichen Granit ist ziemlich genial und bietet teils Reibungsplatten, teils Wandkletterei an scharfen Schuppen. Eine Route fuehrte direkt zu den Wurzeln eines beeindruckenden, in einem Felsspalt wurzelnden Baumes (sind nicht mehr weiter entlang der Wurzeln geklettert).
Dementsprechend befluegelt sind wir zu nem weiteren Klettertag gestartet, der allerdings kein solcher werden sollte. Der Weg zum ersten ausgewaehlten Sektor fuehrte durch dichtes Unterholz und war wohl eher ein Tierpfad, da die Fortbewegung auf allen Vieren mitunter einfacher war. Trotzdem sind wir im recht munter gefolgt bis wir irgendwann unter dem Netz einer handflaechengrossen Spinne hindurchkamen, was vergegenwaertigte, was hier so alles herumkrabbelte. Sind also erstmal wieder raus aus dem Gestruepp und haben versucht, uns einem andren Fels (Shanti-Tower) anzunaehern. Auch dies war gar nicht so einfach und nach einiger Sucherei tat sich tatsaechlich mal ein recht lichter Pfad auf, auf dem man auch aufrecht haette gehen koennen, waeren da nicht die achtbeinigen Gesellen auf Beutefang gewesen, die doch recht dicht den Weg saeumten. Christine hatte schliesslich verstaendlicherweise keine Lust mehr und so war dann nicht mehr viel mit Klettern.
Abschliessend bleibt die Erkenntnis, dass Klettern in Indien einen doch recht hohen Abenteuerfaktor bietet ohne ueberhaupt Fels unter den Fingern zu haben. Eigentlich ist das aber auch gar nicht so schlimm, da es echt immer genug zu sehen gibt, was die Tage trotzdem abwechslungsreich gestaltet. Nichtsdestrotrotz freuen wir uns jetzt beide ziemlich auf hoffentlich unkompliziertes Spochtkletten im Sueden Chinas.

Die Inder

Das lustigste und netteste an den Indern ist ihre Angewohnheit, staendig mit dem Kopf zu wackeln, was genauer gesagt so ein Drehen um die Nase ist. Das machen sie zur Begruessung, als Bedankung und - was leicht zu Missverstaendnissen fuehren kann, da man es anfangs u. U. mit einem Kopfschuetteln verwechselt - als Bejahung. Sie wackeln alle echt staendig mit dem Kopf und mitunter sagen sie dazu immer "Okay, okay". Sehr amuesant das! Ansonsten sind die Inder zum groesseren Teil sehr angenehme, friedliche, hilfsbereite und vor allem neugierige Zeitgenossen. Staendig wird man gefragt: "What's your name?" und "Which country?". Dabei wird Christine ausnahmslos zu Kristina (eine Hindu-Gottheit heisst Krishna, dementsprechend ist es auch ein "beautiful name"). Mit dem "ls" haben sie so ihre Schwierigkeiten, weswegen ich anfangs oftmals "Nis" heisse. Zu "Germany" hoert man die interessantesten Assoziationen. Spitzenreiter ist leider immer noch "Hitler", wenn auch gar nicht mal so oft und dicht gefolgt von Ballack und weiterhin Beckenbauer und Kahn. Sehr oft kam auch "Ermann Esse" und Thomas Mann. Jeweils einmal hab ich lustigerweise Nina Hagen und Helge Schneider gehoert. Das sind also so die deutschen Exportschlager;-). Fuer einen ziemlich grossen Teil ist aber "Germany" ueberhaupt kein Begriff und "Europe" tut's eher.
Nun folgten meist die Frage nach unserer Beschaeftigung sowie Beziehung zueinander. In der indischen Gesellschaft sind Beziehungen vor der Ehe rein freundschaftlich und nach wie vor werden sehr viele Ehen von den Eltern arrangiert. Dementsprechend wurden wir oft gefragt, ob unsere Eltern wuessten bzw. ob sie damit einverstanden waeren, dass wir unverheiratet zusammen reisen.
Wenn der erste Wissensdrang gestillt ist, erzaehlen sie meist, aus welcher Stadt/welchem Staat sie kommen und das es da ganz schoen ist und was es da alles Tolles zu sehen gibt. Vor allem scheint es praktisch ueberall "beautiful temples" mit langgezogenem erstem "u" zu geben. Tatsaechlich sprechen aber leider viele Inder nicht so gut Englisch, dass es zu einer so weitreichenden Konversation reicht. Umso beeindruckender ist es, wenn einen Inder, die praktisch gar kein Wort Englisch sprechen, sich sichtlich freuen, wenn sie einem ihre ganze Familie vorstellen koennen.
Besonders hoeflich sind natuerlich diejenigen, die an einem was verdienen koennen: "Yessir, Riksha?", "What do you want, sir?". Aber selbst wenn sie einem nichts andrehen koennen, helfen die allermeisten einem trotzdem gerne weiter und Ortfindungs- oder andere Probleme werden gleich in mittelgrossen Gruppen diskutiert.
Selbstverstaendlich gibt's auch weniger freundlich gesinnte Zeitgenossen, die meist nur starren bis man sie anspricht oder laechelt, worauf sie sich dann nur abwenden. Auch muss man immer wieder aufpassen, wer einen einfach nur auf den Arm nehmen will, aber das bekommt man doch recht schnell raus. Mein persoenlicher Eindruck ist, dass die Menschen weniger distanziert sind und man dementsprechend oft gleich weiss, woran man ist.

Begegnungen

... gibt es natuerlich zahlreiche auf so einer Reise, aber drei besondere moechte ich im Folgenden schildern.
Die erste ereignete sich auf der Zugfahrt von Goa in den Sueden. Wir sassen zusammen mit einem vor 11 Jahren nach Indien ausgewanderten Deutschen, der seit 8 Jahren in einem abgelegenen Dorf in den Auslaeufern des Himalayas lebt. Dort widmet er sich Studien in Ayurveda, Yoga und Sanskrit. Ayurveda kennt wohl drei Typen von Menschen - Wasser, Feuer und Luft - und er ordnete uns nach kurzer Zeit den Typen zu. Auf meine Nachfrage, ob es ihm damals schwer gefallen ist, alles zurueckzulassen, antwortete er mit einem glaubhaften Nein. Und doch, auch wenn er wirklich ausgeglichen wirkte und Ruhe ausstrahlte, schien er doch etwas wehmuetig was Familie und soziale Kontakte betraff. Allerdings scheint auf seinem Weg der Verzicht gerade auch auf solche Dinge eine wesentliche Rolle zu spielen.
Auf einer weiteren Zugfahrt sass ich mit einem Inder Anfang 30 nebeneinander auf der Gepaeckablage. Er uebte doch recht starke Kritik an den oben beschriebenen indischen Zwaengen bzgl. Beziehungen und Ehe und empfand die Gesellschaft als unfrei. Ausserdem war er der erste Moslem - den ich getroffen habe und dies so offen sagte - der zugab, dass er zwar auf dem Papier Moslem ist, aber doch starke Zweifel hegt.
Die letzte Begegnung war eine ausgesprochen unterhaltsame: Wir liefen von Madikeri aus zu einem Wasserfall, als ein Reisebus hielt und nicht eher weiterfahren wollte, als bis wir eingestiegen waren. Es war eine Gruppe Studenten, die auch auf dem Weg zum Wasserfall waren und deren allgemeines Interesse an uns scheinbar keine Grenzen hatte. Dementsprechend nahmen sie uns auch wieder zurueck und einige wollten unbedingt, dass ich mit ihnen im Gang tanzte, was auf der kurvigen Strecke und bei der indischen Fahrweise durchaus herausfordernd war. Ich liess mich nicht lang bitten und die Begeisterungsstuerme wurden nur von denen getoppt, die losbrachen, als auch Christine kurz mittanzte. Vorm Aussteigen mussten wir wortwoertlich jedem die Hand schuetteln bevor der ganze Bus johlend und pfeifend weiterfuhr.

In diesem Sinne allseits eine frohe Zeit! Bis dann!

Eingestellt von nis 15:54 Archiviert in Indien

Versende diesen EintragFacebookStumbleUpon

Inhalt

Schreibe als Erster einen Kommentar dazu.

Sie müssen angemeldet Mitglied der Travellerspoint um Kommentare diesem Blog.

Enter your Travellerspoint login details below

( What's this? )

Wenn Sie noch nicht Mitglied sind von Travellerspoint, werden Sie Mitglied kostenlos.

Join Travellerspoint